Nostalgie auf zwei Spuren
Lesezeit: 4 Min.
Publikation: 21. April 2026, Jonathan Schönholzer
Es gibt Sommerfeste, die sind laut und hektisch. Und dann gibt es solche, die leise Geschichten erzählen, während sie vorbeiziehen. Das Adelbodner Oldtimer-Treffen gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Wenn am Sonntag, dem 26. Juli 2026, die Dorfstrasse des bekannten Bergdorfs zur Bühne wird, verwandelt sich das gewohnte Strassenbild in eine Hommage an vergangene Automobildekaden. Es ist kein grosses Spektakel mit übertriebener Dramatik, sondern vielmehr ein gemütliches Zusammenkommen von Menschen, die eine Leidenschaft für Blech, Chrom und die damit verbundenen Erinnerungen teilen. Die Location könnte dabei nicht malerischer sein: eingebettet in die eindrucksvolle Bergkulisse der Berner Oberländer Alpen bietet die Gemeinde Adelboden die perfekte Postkarten-Kulisse für die schnittigen Veteranen.
Glanzvolle Parade auf dem Dorfteppich
Der Höhepunkt des Nachmittags ist zweifellos die grosse Parade. Punkt 13:30 Uhr brummen, summen und knattern die Motoren auf, und die Fahrzeuge setzen sich in Bewegung. Für etwa dreieinhalb Stunden wird die Dorfstrasse zur "nostalgischen Tribüne", wie die Veranstalter es so treffend nennen. Man muss kein ausgewiesener Fachmann sein, um hier auf seine Kosten zu kommen. Ob ein sorgfältig restaurierter VW-Käfer aus den Sechzigern, ein britischer Roadster mit der Patina der Jahre oder eine französische Limousine, die vornehm dahingleitet, jedes Fahrzeug hat seinen eigenen Charakter. Besonders praktisch für die Zuschauer: Während die Strassen für den regulären Verkehr gesperrt sind, kann man ganz entspannt am Strassenrand stehen und die vorbeiziehenden Raritäten bestaunen, ohne auf den Verkehr achten zu müssen.
Mehr als nur Autos: Der Koffermärit
Was dieses Event allerdings wirklich von anderen Oldtimer-Treffen unterscheidet, ist die Kombination mit dem sogenannten Koffermärit. Wer genau hinsieht, entdeckt zwischen den Fahrzeugen und am Strassenrand zahlreiche Personen, die ihre Kofferräume geöffnet haben und darin ihre Schätze präsentieren. Hier gibt es kein standardisiertes Marktgetümmel mit Plastikplanen und Klapptischen. Stattdessen wird direkt aus dem Auto heraus gehandelt und gefachsimpelt. Die Auswahl reicht von original Ersatzteilen und emaillierten Schildern über alte Schallplatten bis hin zu kuriosen Raritäten, die einfach eine gute Geschichte haben. Es ist ein entspanntes Stöbern auf Augenhöhe, das oft in nette Gespräche mit den Besitzern mündet.
Ein Plausch unter Gleichgesinnten
Nach der Parade ist bekanntlich vor der Parade. Sobald die Wagen ihre Runde gedreht haben und wieder parken, beginnt der gemütlichste Teil des Tages. Die stolzen Besitzer lassen sich gerne über Schulter schauen und beantworten Fragen zu ihren Schätzchen. Man erfährt, wie lange die Restaurierung dauerte, wo das seltene Ersatzteil gefunden wurde oder welche Reisen man bereits mit dem betagten Gefährt unternommen hat. Die Atmosphäre ist ungezwungen und herzlich, fernab von übertriebenem Kulturbetrieb. Für einen Nachmittag im Juli wird die Dorfstrasse von Adelboden so zum Wohnzimmer für Autofreunde, Gelegenheitsgucker und alle, die einfach mal ein bisschen der Hektik des Alltags entfliehen möchten.
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Bildquelle: zsuga via Pixabay

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