Dienstag, 10. Februar 2026

Das Sechseläuten in Zürich

Ein Volksfest mit Tradition

Lesezeit:           4 Min.
Publikation:      10. Februar 2026, Jonathan Schönholzer

Jedes Frühjahr richtet sich der Blick vieler Zürcherinnen und Zürcher auf ein Ereignis, das Tradition, Volksfest und gesellschaftliches Ritual zugleich ist: das Sechseläuten. Auch in diesem Jahr hat das Fest wieder gezeigt, warum es tief im Selbstverständnis der Stadt verankert ist. Zwischen Zunftstolz, Frühlingshoffnung und moderner Stadtkulisse entsteht ein Spannungsfeld, das weit über den berühmten Böögg hinausgeht.

Ein Brauch mit Haltung und Geschichte

Das Sechseläuten in Zürich blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Ursprünglich markierte es den Wechsel der Arbeitszeiten, im Sommer wurde bis sechs Uhr gearbeitet, im Winter bis fünf. Was einst ein praktischer Zeitmesser war, ist heute ein Symbol für den Übergang vom Winter in den Frühling. Im Zentrum stehen die Zürcher Zünfte, die mit ihren historischen Gewändern, Bannern und Musikformationen ein lebendiges Bild der Stadtgeschichte vermitteln.

Auch dieses Jahr war der Kinderumzug ein wichtiger Auftakt. Schulklassen, Musikgruppen und Vereine zogen durch die Innenstadt und zeigten, dass das Sechseläuten nicht nur ein Fest für Traditionsbewusste ist, sondern auch Raum für neue Generationen schafft. Die Mischung aus feierlicher Ordnung und kindlicher Ausgelassenheit macht einen grossen Teil des Charmes aus.

Der Umzug als gesellschaftlicher Spiegel

Der grosse Zunftumzug am Montag war erneut der Höhepunkt für viele Zuschauerinnen und Zuschauer. Hunderte von Zünftlern zu Pferd oder zu Fuss präsentierten ihre Zünfte mit Stolz und sichtbarer Freude. Entlang der Route standen Tausende von Menschen, Einheimische ebenso wie Gäste aus dem In- und Ausland. Das Sechseläuten funktioniert dabei wie ein gesellschaftlicher Spiegel: Es zeigt die Verbundenheit mit Tradition, aber auch die Offenheit der Stadt.

In den letzten Jahren wurde immer wieder darüber diskutiert, wie zeitgemäss gewisse Aspekte des Festes sind. Auch dieses Jahr war spürbar, dass sich das Sechseläuten weiterentwickelt. Themen wie Diversität, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit finden zunehmend Platz in Gesprächen rund um das Fest, nicht als Bruch mit der Geschichte, sondern als deren Fortführung.

Der Böögg und die kollektive Spannung

Am späten Nachmittag richtete sich dann alles auf den Böögg. Die Schneemannfigur, prall gefüllt mit Feuerwerk, thront über dem Scheiterhaufen und wird zum Projektionsobjekt kollektiver Erwartungen. Die Zeit bis zur Explosion des Kopfes wird traditionell als Wetterorakel für den kommenden Sommer gelesen, ein augenzwinkernder Aberglaube, der dennoch jedes Jahr für Nervenkitzel sorgt.

Als die Flammen höher schlugen und die Sekunden vergingen, lag eine besondere Spannung in der Luft. Jubel, Raunen und Applaus begleiteten den Moment der Explosion. Unabhängig davon, was die gemessene Zeit für den Sommer verheisst, zählt vor allem das gemeinsame Erleben. Genau darin liegt die Stärke des Sechseläutens: Es schafft einen Moment, in dem eine Stadt innehält, zusammenkommt und sich ihrer eigenen Geschichte bewusst wird.

Am Ende bleibt das Gefühl, Teil von etwas Grösserem gewesen zu sein. Das diesjährige Sechseläuten hat erneut gezeigt, dass Tradition kein starres Konstrukt ist, sondern ein lebendiger Prozess, getragen von Menschen, Erinnerungen und der Lust, den Frühling gemeinsam zu begrüssen.

Bitte beachten Sie, dass alle Angaben ohne Gewähr sind und Änderungen vorbehalten bleiben. Wir empfehlen, aktuelle Informationen direkt auf den jeweiligen Webseiten einzusehen.

Bildquelle: Claudio Schwarz via Unsplash

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